ISE Exploration Diver Level 1

Vom 5.11.-9.11.2011 nahm ich erneut an einem Tauchkurs der Tec-Tauchorganisation Inner Space Explorers (ISE) teil. Dieses Mal war es der "Exploration Diven 1", welcher von Helmut Sprangler von7oceans in Horgen gegeben wurde. Wie der Name des Kurses bereits sagt, ist dessen Ziel das Erlernen der Grundfertigkeiten für anspruchsvolle Forschungs- und Erkundungstauchgänge. Dazu gehört z.B. das Verlegen von Leinen, Skizzieren-/Schreiben unter Wasser sowie die Verwendung von Mischgasen für das Tauchen in grösseren Tiefen. Der Level 1 des "Exploration Diver" ermöglicht das sichere Tauchen in Tiefen bis 60m (normotoxisches Trimix, z.B. Tmx18/45). Soviel vorweg: es waren fünf sehr intensive Tage! Aber alles der Reihe nach…

 

Nach kurzem "Willkommen" hiess es für uns drei Tauchschüler und Helmut auch gleich ab an den See. Dort wurden die Ausrüstungen zusammen gebaut und von Helmut inspiziert - ähnlich wie schon beim "ISE Basic of Exploration" Kurs. Diesmal gingen die Tipps und Tricks von Helmut allerdings eher um die für diesen Kurs zusätzliche Ausrüstung wie Stage-Flaschen und Automaten, Reel (Leine) und Hebesack.

Die ersten vier Tauchgänge (Tag 1 und 2) waren dann die sog. Break-Down-Tauchgänge. In diesen Tauchgängen ging es darum, für jeden Taucher maximalen Druck aufzubauen, um die Stressresistenz jedes einzelnen auszuloten und in der Folge anzuheben. Ganze nebenbei wurde einem auch noch neues Wissen wie z.B. das fachgerechte Verlegen von Leinen, das Schiessen von Hebesäcken mit Reel, etc. beigebracht. Die Tauchgänge waren so aufgebaut, dass unserem Dreier-Team eine Grundaufgabe wie z.B. das Verlegen einer Leine mit anschliessendem Freiwasseraufstieg an der zuvor gesetzten Dekoboje gegeben wurde. Während diesen Tauchgängen "sabotierte" der Instruktor unseren Tauchgang an allen möglichen Ecken und kombinierte auch gerne mal mehrere Probleme. Im Briefing vor den Tauchgängen wurden wir auf diese "Sabotagen" aufmerksam gemacht. Hier ein paar "Müsterli":

  • Während dem Verlegen der Leine fällt der Automat des Leinenverlegers aus.
  • Während dem Verlegen der Leine fallt die komplette Gasversorgung des Buddys des Leinenlegers aus.
  • Taucher werden während dem Verlegen der Leine in selbige Verwickelt.
  • Beim Leinen verlegen/einsammeln wird selbige durch ominöse Umstände gelöst und flattert umher.
  • Taucher verliert Deko-Stage (vom Instr. geklaut).
  • Taucher verlieren Ihre Tauchmaske während dem Arbeiten.
  • Taucher verlieren Ihre Ersatzmaske während dem Arbeiten und sind dann blind.
  • Nach dem Setzen der Deko-Boje und dem Beginn des Aufstieges kommt die Leine inkl. Boje wieder runter gesegelt, da diese komischerweise geleert wurde.
  • Alle Taucher verlieren alle Ihre Masken und müssen den Freiwasseraufstieg am Seil inkl. Einhaltung aller Dekostopps im Team blind und mit nur noch zwei von drei Stageflaschen ausführen.

Wenn ich oben so einfach geschrieben habe "verliert Maske" dann ist damit nicht das Abgeben selbiger durch den Taucher gemeint, sondern dass es im dümmsten Moment *schups* macht und Helmut klaut einem die Maske ohne Vorwarnung direkt aus dem Gesicht. Auch im "Entwenden" von Stage-Flaschen, wenn der Taucher gerade anderweitig beschäftigt ist, war Helmut ziemlich gut ;-)

Diese vier Tauchgänge waren mit Abstand die härtesten und lehrreichsten in meiner bisherigen Tauchkarriere - eine super Erfahrung! Anschliessend gab es noch etwas Theorie.

Am dritten Tag ging es dann mit einem simulierten Trimix-Tauchgang (30m Tauchgang mit Stages) weiter. Hier stand die detaillierte Planung und das Einhalten des Planes während dem Tauchgang und der Dekompression inkl. Freiwasseraufstieg an der Deko-Boje im Zentrum. Aufstieg mit Maske war hier fast schon seltsam *grins*. Ein paar Stunden Theorie und Tauchgangsplanung bevor es erneut an den See ging.

Dieser Tauchgang war dem "Unterwasser-Basteln" gewidmet - super interessant! Als erstes zeigte uns Helmut, wie wir bei einem Ausfall eines Atemreglers diesen unter Wasser zerlegen, reinigen, zusammenbauen und testen können. Probierten wir dann mit Erfolg gleich an unseren eigenen Stage-Reglern aus. Nächste Übung. Die 1. Stufe des Stage-Reglers unter Wasser von deren Schlauch trennen und durch Öffnen und Schliessen des Flaschenventiles direkt aus dem Schlauch atmen. Damit wir uns wieder wohl fühlten, klaute uns Helmut dabei natürlich erneut die Maske - was sonst. …Seewasser schmeckt so mittelmässig… ;-) Im Pool wird noch atmen direkt aus der Flasche (ohne Automaten und Schlauch) geübt.

Am vierten Tag war dann mein erster scharfer Trimix-Tauchgang fällig. Dieser führte uns für 20 Minuten auf 46m mit einem 21/35-Trimix (21% Sauerstoff, 35% Helium, 44% Stickstoff) mit anschliessendem Aufstieg und Dekostop's natürlich wieder im Freiwasser an der Deko-Boje - alles andere wäre auch zu einfach. Am Nachmittag dann wieder ordentlich Theorie.

Der letzte Tag war dem zweiten und abschliessenden Trimix-Tauchgang gewidmet. Während diesem Tauchgang war das Skizzieren und Vermessen des Ansaugstutzens beim Pumpwerk Horgen angesagt, bevor es weiter in die Tiefe ging. Beim anschliessenden Aufstieg unterhalb der Baustelle war dann wieder Freiwasser mit sehr schlechter Sicht in der Deko angesagt. …war uns aber soweit relativ egal - da hatten wir zuvor in diesem Kurs schon schlimmeres erlebt; es wurden uns ja nicht einmal die Masken abgenommen. :-)

Als Abschluss des Kurses folgte die finale Besprechung mit Verbesserungsvorschlägen sowie Tipps und Ticks von Helmut. Auch die offenen Fragen für die Praxis wurden geklärt.

Dieser Kurs ist ohne Frage der intensivste Tauchkurs, denn ich bisher erlebt habe. In "nur" fünf Tagen habe ich soviel Neues gelernt und meine persönlichen Grenzen wurden soweit nach oben verschoben, wie ich es zuvor nie gedacht hätte. Wie Helmut so schön sagte, werden Tauchgänge ohne Zwischenfälle jetzt sicher viel langweiliger werden ;-) Was mir erneut bei einem ISE-Kurs aufgefallen ist, ist dessen starker Praxisbezug auch in den Theoriemodulen: So lernt man ein paar einfach anzuwendende Grundregeln/Formeln, um Dinge wie die CNS-Sättigung, die OTU's oder den ganzen Deko-Plan im Kopf auszurechnen. Gerade die Deko mittels Ratio-Deko/Deko-On-The-Fly im Kopf rechnen zu können, erübrigt Sachen wie Backup-Pläne etc., da eine Planänderung auch gut während dem Tauchgang selbst im Kopf gerechnet werden kann.

Auch wenn ich jeden Abend hundemüde ins Bett viel (bzw. bereits auf der Couch wegnickte), so kann ich den Kurs nur allerwärmstens jedem Tec-Taucher empfehlen. Die TDI-Tec-Kurse, welche ich vor ein paar Jahren besucht habe, sind kein Vergleich zu diesem Training! Danke an dieser Stelle an Helmut Sprangler von 7oceans für diesen Hammerkurs - wir hatten alle einen riesen Spass!

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